28.02.2017: Marketing auf der Baustelle

Bürgermeister Mues (r.) mit dem Team des Marketingclubs Siegen. Foto: Herbert Bäumer

Wie die Stadt Siegen das millionenschwere Bau-Projekt „Siegen – Zu neuen Ufern“ zu einer Erfolgsgeschichte gemacht hat, verriet Bürgermeister Steffen Mues.

Siegen. Die Universitätsstadt Siegen ist angekommen an neuen Ufern. Doch der Weg dahin war geprägt von vielen Baustellen. „Siegen – Zu neuen Ufern“ ist das größte städtebauliche Projekt in der Geschichte Siegens – und das nicht nur aufgrund der Gesamtkosten in Höhe von 23,5 Millionen Euro, zu denen die Stadt 4 Millionen an Eigenmitteln beisteuerte. „Siegen hat ein anderes, ein frisches und modernes Gesicht erhalten. Wir sind mittlerweile eine von elf familienfreundlichen Städten, wir sind attraktiv für junge Menschen und schätzen diejenigen, die schon hier leben“, sagt Bürgermeister Steffen Mues. Im „Haus der Siegerländer Wirtschaft“ erklärte der Bürgermeister auf Einladung des Marketingclubs Siegen, welches Marketing-Konzept hinter dem Großprojekt steckte.

„Wir haben in Deutschland schon viele Negativ-Beispiele erlebt, wenn es um Baustellen ging, ‚Stuttgart 21‘ ist so ein Fall. So etwas wollten wir bei ‚Siegen – Zu neuen Ufern‘ unbedingt vermeiden. Unser Ziel war, die Menschen in Siegen mitzunehmen. Alle Bürgerinnen und Bürger sollten informiert sein, was und warum in der Stadt passiert“, stellte Mues dar. Die Gefahr eines Negativ-Images für das Großprojekt sahen die Planer vor allem, da Parkplätze durch den Abriss der Siegplatte wegfallen würden. Die Stadt und vorweg der Bürgermeister setzten deshalb bewusst auf „Baustellen-Marketing“.

Bereits der Abriss der Siegplatte wurde medienwirksam und mit Einbindung der Bürger umgesetzt, es gab eine Abriss-Party, Platten-Kunst und zum Abschluss des Projekts das Uferfest, das tausende Menschen in die Innenstadt lockte. Die zweite – kleinere – Auflage des Uferfests ist für den Juni 2017 geplant (16.-18.6.). Besonders gut kamen die Baustellenführungen an. Mehr als 120 Führungen gab es, 80 davon machte Bürgermeister Mues selbst – und zeigte interessierten Bürgerinnen und Bürgern, was sich alles verändert.

Per eigener Projekt-Homepage und einer Baustellenzeitung informierte die Stadt über das Projekt, richtete ein städtisches Baustellenbüro ein, an das sich auch Anwohner und Einzelhändler wenden konnten. „Wir waren ansprechbar, wir haben auch die Baustellen nicht abgeschottet durch Bauzäune oder Plakate. Jeder konnte sehen, was hier passiert“, sagte Mues. Dabei half auch eine Webcam mit, die über die Homepage zugänglich war.

Doch bei dem Bauvorhaben ging es nicht nur um Verschönerung der Innenstadt, sondern auch um eine Sanierung. In der Bahnhofstraße wurden Rohre der ersten Kanalisation Siegens von 1903 ausgetauscht. Die Stadt organisierte zudem zusätzliche Parkflächen am Landesgericht, die am Wochenende genutzt werden können.

Doch die Siegener Bürger durften nicht nur ansehen, sondern auch abstimmen. Die Platzierung von Henner und Frieder sowie des Berliner Bären wurde durch eine Abstimmung festgelegt. Eine Vielzahl von Veranstaltungen rund um das Bauprojekt rundete die Kommunikation ab.

Das strategisch geplante Baustellen-Marketing lohnte sich, das Projekt bekam zahlreiche Preise, unter anderem den MARKETING AWARD des Marketingclubs Siegen. Andere Städte fragen in Siegen an, ob sie den Claim „zu neuen Ufern“ verwenden dürfen.

Das Erfolgs-Projekt „Siegen – Zu neuen Ufern“ ist dabei nur der Anfang. Bürgermeister Mues stellte die nächsten Schritte für ein neues Siegen vor. Die Sanierung des Unteren Schlosses ist abgeschlossen, die Universität Siegen und mit ihr tausende Studierende im Herzen der Stadt angekommen. Der Umbau des Warenhauses Karstadt inkl. der Einrichtung von Hörsälen folgt noch. Im Rahmen des Projekts „Rund um den Siegberg“ ist die alte Jugendherberge abgerissen worden, der Schlosspark wird dafür erweitert. 1,4 Kilometer Stadtmauer werden saniert, die Barrierefreiheit im Oberen Schloss verbessert. Baubeginn ist hier das Jahr 2018, insgesamt fließen 23 Millionen Euro.